„Im Namen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken …“

Urteile sowjetischer Militärtribunale (SMT) in Dresden

*15.2.1903 (Dresden)

Eva-Ingeborg Kleinpaul

Vermerk über die Verhaftung von Eva-Ingeborg Kleinpaul, 21.07.1950, Universitätsarchiv Leipzig, UAL, PA-A 41114
Eva-Ingeborg Kleinpaul, Porträtfotografie, Universitätsarchiv Leipzig, UAL,PA-A 41114-52

Die verurteilte Sekretärin der Universität Leipzig


Eva-Ingeborg Kleinpaul erlernte den Beruf einer Laborassistentin. Seit Oktober 1933 arbeitete sie zunächst als Teilzeit-Schreibkraft und seit 1936 als vollbeschäftigte Hilfsangestellte im Sekretariat des Instituts für Zeitungswissenschaft der Universität Leipzig, an dem ihr Vater als Oberassistent tätig war. Ausweislich ihrer Personalakte war sie aus gesundheitlichen Gründen oft arbeitsunfähig. Im September 1944 wurde sie bei der allgemeinen Verwaltung der Frauenklinik der Universität und der Orthopädischen Universitätsklinik dienstverpflichtet. Nach Kriegsende wurde sie wieder dem Institut für Zeitungswissenschaft zugeteilt, das ihr zum 31. Dezember 1945 kündigte, da der Lehrstuhl zunächst unbesetzt blieb.

Am 6. Februar 1946 wurde Eva-Ingeborg Kleinpaul als Büroangestellte wieder am Institut für Publizistik an der Universität Leipzig eingestellt. Ihre Überprüfung durch die Entnazifizierungskommission ergab im Frühjahr 1947, dass keine Bedenken gegen ihre Weiterbeschäftigung bestanden. Seit 1946 war sie Mitglied der CDU.

Laut einer Mitteilung vom 21. Juli 1950 an den Verwaltungsdirektor der Universität Leipzig ging Eva-Ingeborg Kleinpaul am 19. Juli 1950 zu einer Befragung und kam nicht zurück. Sie selbst gab später an, von einem Zivilisten in eine sowjetische Militärdienststelle gebracht worden zu sein. Tatsächlich wurde sie an diesem Tag von sowjetischen Sicherheitsorganen unter dem Vorwurf der Spionage und antisowjetischen Tätigkeit festgenommen. Nach Angaben in der Personenkartei der Exil-CDU im Archiv für Christlich-Demokratische Politik soll Eva-Ingeborg Kleinpaul an Freunde im Ausland über Verhältnisse und Zustände in der SBZ und DDR berichtet haben. Nach mehreren Verhören in Leipzig wurde sie nach Dresden in das Gefängnis Bautzner Straße verbracht und Anfang September 1950 in das Gefängnis am Münchner Platz.

Am 11. September 1950 verurteilte sie das Militärtribunal der 1. Garde-Mechanisierten Armee (Feldpostnummer 08640) am Münchner Platz in Dresden nach Artikel 58-6, Abschnitt 1 (Spionage) und Artikel 58-10, Abschnitt 2 (antisowjetische Propaganda) des StGB der RSFSR zusammen mit Horst Leißring und Ingolf-Ariovist Klein zu 25 Jahren Freiheitsentzug in einem „Besserungsarbeitslager“.

Eva-Ingeborg Kleinpaul verbüßte ihre Haftstrafe in den DDR-Strafanstalten Bautzen und Waldheim. Ihre Entlassung nach Leipzig erfolgte durch eine Amnestie am 17. Januar 1954. Die Haft zerstörte weitgehend ihre bereits vor der Verhaftung stark angegriffene Gesundheit. Im September 1971 übersiedelte sie gemeinsam mit ihrer Freundin, mit der sie seit 46 Jahren in einer Wohngemeinschaft lebte, zu Verwandten in die Bundesrepublik.

Die Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation rehabilitierte Eva-Ingeborg Kleinpaul am 28. Januar 2000 als Opfer politischer Repressionen.

Weitere Dokumente

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Quellen

  • Archiv der sozialen Demokratie (AdsD), ZWA15527
  • BArch Berlin, DO1/32.0/39721Apr 53; DO1/32.0/39739Jan54
  • Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation, 7ud-1234-99
  • Staatsarchiv Leipzig (SächsStA-L), 20036 Zuchthaus Waldheim, Gefangenenkartei

Veröffentlichungen

  • Günter Buchstab (Hrsg.), Verfolgt und entrechtet. Die Ausschaltung Christlicher Demokraten unter sowjetischer Besatzung und SED-Herrschaft 1945-1961. Eine biographische Dokumentation, Düsseldorf 1998, S. 176 f.