„Im Namen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken …“

Urteile sowjetischer Militärtribunale (SMT) in Dresden

*20.05.1920 (Klingenthal) | † 07.03.1979 (Stuttgart)

Fritz Meisel

Fritz Meisel und seine Frau Ilse, Hochzeitsfotografie, 19. September 1945, Privatbesitz
Fritz Meisel, Porträtfotografie, ca. 1956 in Bernhausen, Privatbesitz
Fritz Meisel, "De Güterrompel", Gedicht, vom Sohn Herrn Jochen Meisel übersendet am 2. April 2026

Wegen Kritik am SED-Staat verhaftet


Fritz Meisel wuchs als Sohn des Ehepaares Gertrud und Fritz Meisel Senior in Klingenthal auf. Nach seinem Schulabschluss absolvierte er eine Ausbildung zum Industrie- und Handelskaufmann in Hamburg. Während des Zweiten Weltkrieges diente er von November 1939 bis Kriegsende als Soldat in Norwegen und Russland. Nach der Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft war Fritz Meisel Mitbegründer der CDU-Ortsgruppe in Klingenthal.

Am 19. September 1945 heiratete er Ilse Steinmüller. Das junge Paar siedelte sich in Rothenburg ob der Tauber an. Aus der Ehe gingen später zwei Kinder hervor. 1946 zogen Fritz und Ilse Meisel wegen Erkrankung von Fritz Meisel Senior zurück nach Klingenthal. Fritz Meisel übernahm die Pflege seines Vaters und wurde Mitinhaber der traditionsreichen Werkstatt für Akkordeons und Konzertinas C. W. Meisel sen. (Schwarzmeisel). Fritz Meisel beherrschte neben dem Akkordeon auch Mundharmonika und Waldhorn. Außerdem betätigte er sich als Mundartdichter und verfasste das sehr bekannte Klingenthaler Krippenspiel.

Im Mai 1949 als Wahlvorsteher bei der Scheinwahl zum Dritten Deutschen Volkskongress eingesetzt, weigerte er sich das Wahl-Protokoll zu unterzeichnen, da die SED-Leitung verlangte, die ungültigen Stimmen als „Ja“-Stimmen zu zählen. 1950 kandidierte er für die CDU zu den Kommunalwahlen in Klingenthal und wurde in den Stadtrat gewählt. Kurz darauf trat er im Zusammenhang mit der SED-Kampagne gegen den stellvertretenden sächsischen CDU-Landesvorsitzenden Hugo Hickmann und dessen Rücktritt aus der CDU aus. Er engagierte sich als Mitglied im Kirchenvorstand und fuhr auch zum Kirchentag nach Berlin. Anschließend äußerte er sich in Vorträgen kritisch zur Politik in der DDR.

Am 25. Oktober 1951 wurde Fritz Meisel in Klingenthal durch Mitarbeiter der Kriminalpolizei angeblich zu einem Verhör abgeholt und später durch Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit verhaftet. Ihm wurde vorgeworfen, Mitglied einer Spionagegruppe zu sein. Eine Woche später, am 3. November 1951, wurde er in das sowjetische Untersuchungsgefängnis an der Bautzner Straße in Dresden überstellt. Nach sieben Monaten Untersuchungshaft verurteilte ihn das Militärtribunal der 1. Garde- Panzerarmee am 6. Juni 1952 in Dresden Bautzner Straße gemeinsam mit Walter Götzel und Friedrich Übel wegen Spionage und Mitgliedschaft in einer konterrevolutionären Organisation zu 25 Jahren Haft in einem „Besserungsarbeitslager“.

Fritz Meisel wurde zur Strafverbüßung über das Gefängnis Nr. 6 in Berlin-Lichtenberg und das Gefängnis Nr. 1 in Brest in den Lagerkomplex Workuta transportiert. Dort leistete er Zwangsarbeit im Schacht 7. Weitere Haftstationen waren Suchobeswodnoje und Jawas. In dessen Zweiglager Nr. 11 spielte er – wie schon in Workuta – im Lagerorchester Akkordeon. Außerdem schrieb er in der Lagerhaft Gedichte, was ihm und auch Mitgefangenen Trost gab. Am 10. Oktober 1955 wurde Fritz Meisel aus dem Heimkehrerlager Fürstenwalde entlassen. Noch im selben Jahr flüchtete er mit seiner Frau und seinem Sohn Jochen nach West-Berlin.

Die einige Jahre jüngere Tochter Andrea wurde 1961 geboren. Fritz Meisel wirkte als Industriekaufmann in verschiedenen Firmen.

Nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft verfasste er einen detaillierten Erinnerungsbericht über die Verhaftungswelle von Widerstandsgruppen, die mit der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit in Verbindung standen, in den Jahren 1950 und 1951 in Sachsen. Darin kritisierte er die Kampfgruppe für ihre Fahrlässigkeit, die zahlreiche Menschen die Freiheit und nicht wenige das Leben kostete. In einem Bericht über diese Verhaftungswelle wurde Fritz Meisel unter dem Decknamen „London“ geführt. Dass er tatsächlich Kontakt mit der Kampfgruppe hatte oder mit ihr zusammenarbeitete, ist jedoch unwahrscheinlich.

Fritz Meisel verstarb im Alter von nur 59 Jahren am 7. März 1979 in Stuttgart.

Weitere Dokumente

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Quellen

  • Archiv für Christlich-Demokratische Politik (ACDP), 03-013-748
  • BArch Koblenz, B 289, SA 482/220-171/18/1
  • BArch Koblenz, B 305/19394
  • RGWA, f. 461, d. 195722

Veröffentlichungen

  • Günter Buchstab (Hrsg.), Verfolgt und entrechtet. Die Ausschaltung Christlicher Demokraten unter sowjetischer Besatzung und SED-Herrschaft 1945-1961. Eine biographische Dokumentation, Düsseldorf 1998, S. 207