„Im Namen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken …“

Urteile sowjetischer Militärtribunale (SMT) in Dresden

*16.11.1908 (Oelsnitz (Erzgebirge)) | † 1.11.1951 (Moskau (Gefängnis Butyrskaja))

Hellmut Wendler

Hellmut Wendler, Fotografie während der Untersuchungshaft, undatiert, ZA FSB

Zwei Jahre nach der Informationsweitergabe verhaftet und verurteilt


Hellmut Wendler wurde in Oelsnitz im Erzgebirge als Sohn einer Arbeiterfamilie geboren. Er besuchte die Volksschule und absolvierte anschließend eine Ausbildung als Polsterer und Sattler. 1928 trat er in die SPD ein, deren Mitglied er bis 1933 blieb. Wendler war verheiratet und hatte drei Kinder. Über sein Leben in der Zeit des Nationalsozialismus ist nichts bekannt. 1946 trat er der SED bei. Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung arbeitete er bei der Trikotage-Fabrik Louis H. Schaarschmidt als Textilarbeiter.

In den Jahren 1948 und 1949 war Wendler bei der SAG Wismut angestellt und lernte Heinrich Franke kennen. Dieser pflegte seit 1947 Kontakte zum SPD-Ostbüro und erhielt unter anderem antisowjetische Literatur. Diese verbreitete er auch über weitere Vertrauensleute. 1948 konnte er Wendler ebenso dafür gewinnen und ihn animieren, Informationen über die Wismut zu sammeln.

Wendler gab laut sowjetischen Unterlagen systematisch Angaben über die materielle Situation der Wismut-Arbeiter und über die Tätigkeit der SED-Betriebsparteiorganisation, deren Sekretär er war, an Franke weiter. Zudem übergab er diesem im Sommer 1949 eine Mappe mit Parteikorrespondenz. Im September 1949 soll er auch Kontakt zum „ausländischen Agenten Oertel“ hergestellt und „Informationen über Betriebe“ übergeben haben. Auch nach seiner Tätigkeit bei der SAG Wismut blieben Wendler und Franke in Kontakt. Noch 1951 soll Wendler für ihn antisowjetische Literatur verbreitet haben.

Nachdem Franke im März 1951 durch Volkspolizisten verhaftet wurde, kamen am 5. April 1951 sowjetische Sicherheitsorgane in die Limbacher Wohnung Wendlers und verhafteten ihn. Er wurde nach Dresden in das Untersuchungsgefängnis in der Bautzner Straße überführt. Dort kam es am 20. August 1951 vor dem Militärtribunal der Gruppe sowjetischer Besatzungstruppen (Feldpostnummer 48240) zum Gruppenprozess gegen Wendler, Franke, Ilse Weber und Irma Reinhold. Wendler und Franke wurden für die Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation, Spionage und antisowjetische Propaganda zum Tod durch Erschießen verurteilt.

Zur Vollstreckung des Urteils wurden beide über Berlin-Lichtenberg und Brest in das Moskauer Gefängnis Butyrskaja transportiert. Wendlers Gnadengesuch wurde am 25. Oktober 1951 durch das Präsidium des Obersten Sowjets abgelehnt. Seine Hinrichtung erfolgte am 1. November 1951. Anschließend wurden seine sterblichen Überreste verbrannt und die Asche auf dem Moskauer Donskoje-Friedhof verstreut. Auch das Todesurteil gegen Heinrich Franke wurde vollstreckt. Die beiden mitverurteilten Frauen überlebten die Haft im Gulag.

Am 11. April 1995 wurde Hellmut Wendler durch die Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation als Opfer politischer Repressionen rehabilitiert.

Weitere Dokumente

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Quellen

  • BArch Koblenz, B 305/21634
  • Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation, 5uw-29647-51
  • Staatsarchiv der Russischen Föderation (GARF), f. 7523, op. 76a, d. 45

Veröffentlichungen

  • "Erschossen in Moskau ..." Die deutschen Opfer des Stalinismus auf dem Moskauer Friedhof Donskoje 1950-1953, hrsg. von Arsenij Roginskij, Frank Drauschke und Anna Kaminsky, 3. Auflage, Berlin 2008, S. 444