*23.10.1899 (Dresden)
Herbert Lack
25 Jahre Lagerhaft für antisowjetische Propaganda
Herbert Lack wurde in Dresden geboren. Er war Elektriker und verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. Während der Herrschaft der Nationalsozialisten war er weder Mitglied der NSDAP noch in einer ihrer Parteiorganisationen. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Funker bei der Kriegsmarine.
Nach dem Krieg lebten Lack und seine Frau in Görlitz. Dort arbeitete er als Kaufmann und war als Anzeigenleiter des Lesezirkels „Daheim“ beschäftigt. 1946 trat er zudem der LDP bei.
Die LDP fand im Raum Görlitz starken Zuspruch, was sich im Herbst 1946 bei den Gemeindewahlen deutlich zeigte. Diesen Erfolg betrachteten die Funktionäre der SED mit Argwohn und setzten immer deutlicher ihren Machtanspruch durch. Mit Rückendeckung der Besatzungsmacht setzte die Partei immer offener ihren Kurs der „Demokratisierung“ nach sowjetischem Vorbild um.
Vor allem in LDP- und CDU-Kreisen sorgte dies zunehmend für Unmut und Frustration. Darunter auch bei dem damaligen LDP-Kreisverbandsleiter für Weißwasser-Görlitz, Konrad Brettschneider, der sich mit einigen Unzufriedenen in seinem Umfeld vernetzte, darunter Lack. Zudem nahm Brettschneider Kontakt zur FDP in West-Berlin auf.
Dies entging den sowjetischen Sicherheitsorganen nicht. Es kam um die Jahreswende 1948/1949 zu einer koordinierten Verhaftungsaktion, bei der mehrere LDP- und CDU-Mitglieder aus Brettschneiders Umfeld verhaftet wurden. Unter ihnen war auch Lack, der am 30. Dezember 1948 festgenommen und in die sowjetische Untersuchungshaft nach Dresden überführt wurde.
Nach über einem Jahr Untersuchungshaft mit zahllosen Verhören kam es vor dem sowjetischen Militärtribunal der 1. Garde-Panzerarmee am 18. Februar 1950 am Münchner Platz in Dresden zu einem Gruppenprozess mit 15 Angeklagten. In ihm wurde Lack für die Verbreitung antisowjetischer Flugblätter und die Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation zu 25 Jahren Haft in einem „Besserungsarbeitslager“ verurteilt.
Nach der Verurteilung erfolgte seine Verlegung in die Strafvollzugsanstalt Bautzen I. Von dieser wurde er am 3. Dezember 1953 in die Haftanstalt „Roter Ochse“ in Halle verlegt. Sein weiteres Schicksal ist ungeklärt.
Die Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation rehabilitierte Herbert Lack am 17. November 1994 als Opfer politischer Repressionen.
Weitere Dokumente
Hinweis: Für eine weitergehende Nutzung, zum Beispiel für eine Veröffentlichung, bedarf es der Zustimmung der Dokumentationsstelle Dresden. Bitte kontaktieren Sie uns dazu.Quellen
- BArch Berlin, DO1/32.0/39705 Jan 54
- Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation, 5ud-822-94
- Justizvollzugsanstalt Bautzen, 5112/50
Veröffentlichungen
- Ronny Kabus, "... weine ich täglich um meinen Vater". In der Gewalt Stalins und der SED, Norderstedt, 2. erw. Auflage 2016, S. 164