*16.1.1919 (Dresden)
Werner Philipp
Zweimal vor dem Militärgericht
Werner Philipp wurde in Dresden geboren und absolvierte eine Friseurausbildung. In der Zeit des Nationalsozialismus war er weder Mitglied der NSDAP noch in einer ihrer Parteiorganisationen. Er leistete seinen Pflichtdienst beim Reichsarbeitsdienst und war während des Zweiten Weltkriegs von 1939 bis 1941 als Stabsgefreiter in einem Artillerieregiment aktiv.
Nach dem Krieg arbeitete Philipp als selbstständiger Friseur. Er heiratete und aus der Ehe ging 1947 ein Kind hervor. Im gleichen Jahr trat er der LDP bei.
Philipp wurde am 13. Dezember 1949 in Dresden verhaftet und zwei Tage später offiziell in der sowjetischen Untersuchungshaft in Dresden registriert. Man warf ihm Besitz und Verbreitung antisowjetischer Flugblätter vor. Die genauen Hintergründe seiner Verhaftung sind nicht bekannt.
Ende März 1950 wurde er in Dresden mit weiteren Angeklagten zum ersten Mal durch ein sowjetisches Militärtribunal verurteilt. Für den 29. März 1950 ist seine Registrierung durch die Volkspolizei in der Haftanstalt Bautzen I belegt.
In Bautzen fand am 14. Juni 1950 ein zweiter Gerichtsprozess vor dem sowjetischen Militärtribunal der 1. Garde-Panzerarmee (Feldpostnummer 08640) statt. In diesem ist er mit 14 weiteren Angeklagten verurteilt worden. Viele von ihnen kamen nicht aus Dresden, sondern aus Thüringen und Berlin. Für antisowjetische Propaganda und Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation erhielt Philipp eine zehnjährige Haftstrafe. Warum Philipp und andere zweimal vor Gericht standen, ist bislang unklar. Möglicherweise handelte es sich um ein Revisionsverfahren.
Philipp wurde am 13. März 1951 aus der Haftanstalt Bautzen in die Strafvollzugsanstalt Luckau verlegt. Eine weitere Überführung erfolgte am 27. Januar 1953 in das Gefängnis Waldheim. Von dort wurde er am 16. Januar 1954 entlassen. Über Philipps weiteres Schicksal ist nichts bekannt.
Die Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation rehabilitierte Werner Philipp am 15. Dezember 1998 als Opfer politischer Repressionen.
Weitere Dokumente
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- BArch Berlin, DO1/32.0/39739
- Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation, K-100128
- Staatsarchiv Leipzig (SächsStA-L), 20036 Zuchthaus Waldheim, Gefangenenkartei