„Im Namen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken …“

Urteile sowjetischer Militärtribunale (SMT) in Dresden

*23.9.1927 (Radeberg, Kr. Dresden) | † 5.2.2018

Friedrich Link

Friedrich Link, Fotografie von Haftkarteikarte, JVA Bautzen
Friedrich Link, Haftkarteikarte Vorderseite, JVA Bautzen
Friedrich Link, Haftkarteikarte Rückseite, JVA Bautzen

Wegen des Verfassens und der Verteilung von antisowjetischen Flugblättern verurteilt


Friedrich Link trat nach dem Abschluss der Mittleren Reife 1943 eine Lehre bei der Stadtverwaltung Radeberg an. Diese musste er unterbrechen, als er im Februar 1944 zum Reichsarbeitsdienst einberufen wurde und anschließend als Offiziersanwärter in die Kriegsmarine eintrat. Das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte Link an der Kriegsschule der Marine-Artillerie in Husum.

Mit Ende des Kriegs konnte er seine vorherige Ausbildung nicht fortsetzen und beschritt nach der Ablegung einer Qualifikationsprüfung den Weg des Neulehrers. Als solcher arbeitete er ab Oktober 1946 in Radeberg. Link verlobte sich und trat in die SED ein.

In seinem beruflichen Umfeld wurde die politische Entwicklung in der SBZ zunehmend mit Sorge betrachtet. So bildete sich unter befreundeten Lehrern ein Gesprächskreis, in dem offen die voranschreitende „Sowjetisierung“ der Ostzone und die sich abzeichnende Abschottung von den anderen Besatzungszonen thematisiert und kritisiert wurden. Im Frühsommer 1947 stieß auch Link zu ihnen.

Der sich fortsetzende Kurs der politischen Entwicklung in der SBZ animierte die Lehrergruppe auch nach außen zu wirken. So verfasste Link verschiedene Flugschriften, in denen er die SMAD kritisierte und verteilte diese. Infolgedessen gerieten er und die anderen Gruppenmitglieder in den Fokus der sowjetischen Ermittlungsbehörden.

Am 22. Oktober 1947 durchsuchten sowjetische Sicherheitsorgane Links Wohnung und fanden ein von ihm verfasstes Flugblatt. Daraufhin wurde er in die sowjetische Untersuchungshaftanstalt am Münchner Platz überführt. Dort fand am 2. Dezember 1947 vor dem SMT des Landes Sachsen der Prozess gegen ihn und die anderen Gruppenmitglieder, Werner Baumann, Günther Blaurock, Käthe Scholz, Thea Strauß, Wolfgang Wernicke und Siegfried Wünsche, statt. Auf Grundlage der Artikel 58-4 (Unterstützung der internationalen Bourgeoisie) und Artikel 58-10, Abschnitt 2 (antisowjetische Agitation) verurteilte das Gericht alle Angeklagten zu 25 Jahren Haft in einem „Besserungsarbeitslager“.

Zwei Wochen später wurde Link in das sowjetische Speziallager Bautzen verlegt. Nachdem das Gefängnis Teil des DDR-Strafvollzugs geworden war, konnte ihn seine Mutter besuchen. Dabei teilte sie ihm die Lösung seiner Verlobung mit. In der Strafvollzugsanstalt Bautzen I wurde Link Mitglied des Gefangenenchors. Am 17. Januar 1954 kam es zu seiner Freilassung nach Radeberg.

In der DDR hatte Link jedoch keinerlei Berufsperspektive in seinen bisherigen Tätigkeitsfeldern. Daher nutzte er einen Verwandtschaftsbesuch in der Bundesrepublik zur Flucht. Nachdem er als Flüchtling das übliche Aufnahmeverfahren der Bundesrepublik durchlaufen hatte, holte er das Abitur nach und absolvierte eine Lehrerausbildung. In den folgenden Jahrzehnten war er verschiedentlich als Schulleiter sowie in der Schulaufsicht und Lehrerausbildung am Niederrhein tätig.

Ab 1958 organisierte Link regelmäßige Treffen mit ehemaligen Chormitgliedern der Strafvollzugsanstalt Bautzen I, die ebenfalls in der Bundesrepublik lebten. Diesem Netzwerk früherer Häftlinge blieb er bis ins hohe Alter freundschaftlich eng verbunden. Am 29. September 2009 rehabilitierte die Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation Friedrich Link als Opfer politischer Repressionen.

Am 5. Februar 2018 verstarb Friedrich Link.

Weitere Dokumente

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Quellen

  • BArch Berlin, DO1/32.0/39705
  • Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation, 4uk-1580-98
  • Justizvollzugsanstalt Bautzen, 3119/50
  • Staatsarchiv der Russischen Föderation (GARF), f. 9401, op. 1, d. 194
  • Zentralarchiv des FSB (ZA FSB), P-3317

Veröffentlichungen

  • Birgit Sack/Gerald Hacke, Verurteilt. Inhaftiert. Hingerichtet. Politische Justiz in Dresden 1933-1945 | 1945-1957, Dresden 2016, S. 267 f.