„Im Namen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken …“

Urteile sowjetischer Militärtribunale (SMT) in Dresden

*11.8.1887 (Breslau) | † 8.10.1953 (Bautzen)

Hermann Meise

Hermann Meise, Foto von der Haftkarteikarte, JVA Bautzen

Der Sozialdemokrat überlebte mehrere NS-KZ und starb in der DDR-Haftanstalt Bautzen


Hermann Meise erlernte das Maurerhandwerk und absolvierte anschließend an der Breslauer Höheren technischen Lehranstalt für Hoch- und Tiefbau eine Ausbildung zum Techniker und Bauingenieur. Ab 1921 war er beim Baugewerkbund (BGB) in Breslau angestellt, später wurde er 2. Geschäftsführer der Bezirksleitung Schlesien des BGB. Hermann Meise gehörte zu den Mitbegründern der Schlesischen Bauhüttenbewegung, wirkte als Aufsichtsrat im Bauhüttenbetriebsverband und übernahm zahlreiche weitere Ämter in den Bereichen Arbeitsschutz und Bauwesen. Seit 1905 war er Mitglied der SPD.

Im Zuge ihrer Machtergreifung hielten ihn die Nationalsozialisten 1933/34 im KZ Dürrgoy, in ihren Lagern im Emsland sowie im KZ Lichtenburg gefangen. 1944 wurde er wegen politischer Betätigung erneut inhaftiert und in das KZ Groß-Rosen eingeliefert. Nach Kriegsende kehrte er nach Breslau zurück. Ende 1945 wurde er als Deutscher von dort vertrieben und fand später eine Unterkunft in Görlitz.

Dort übernahm er im Frühjahr 1946 das Amt des Geschäftsführers der „Niederschlesischen Heimstätte“, einer Treuhandstelle für Wohnungs- und Siedlungswesen mit Sitz in Görlitz. Nach der Zwangsvereinigung von SPD und KPD blieb er in der SED, knüpfte jedoch in der Folge durch intensiven Briefverkehr ein deutschlandweites Netzwerk mit alten Breslauer Weggefährten aus der SPD und den Gewerkschaften. In der Korrespondenz machte er kein Hehl aus seiner Unzufriedenheit mit der politischen Entwicklung in der SBZ, zum Beispiel mit der kommunistischen Kaderpolitik sowie mit der kommunistischen Gleichschaltung der Gewerkschaftsbewegung.

Sein ausgedehnter Briefwechsel mit Kampfgefährten, die in den Westzonen Deutschlands lebten, darunter etwa mit dem früheren sozialdemokratischen Reichstagspräsidenten Paul Löbe, weckte bald Misstrauen. Am 11. Juli 1948 wurde er, aus der Westzone kommend, von Mitarbeitern sowjetischer Sicherheitsorgane in Erfurt, wo er übernachtete, verhaftet. Im Zuge von Durchsuchungen entdeckten die Ermittler im Oktober 1948 zahlreiche Briefe von Hermann Meise, die sorgfältig ins Russische übersetzt und gründlich ausgewertet wurden.

Am 11. Juni 1949 verurteilte das Militärtribunal der Sowjetischen Militäradministration (SMA) des Landes Sachsen Hermann Meise in Dresden auf der Grundlage von Art. 58-6, Abs. 1 (Spionage) sowie Art. 58-10, Abs. 2 (antisowjetische Propaganda) des StGB der RSFSR zu 25 Jahren „Besserungsarbeitslager“. Zur Strafverbüßung kam er in das sowjetische Speziallager Bautzen, wo er Anfang 1950 bei der Übergabe des Gefängnisses an das Innenministerium der DDR von der Volkspolizei übernommen wurde.

Im November 1950 erhielt er in Bautzen 21 Tage „strengen Arrest“, da er heimlich die Adressen von 160 Mithäftlingen gesammelt sowie „Gedichte hetzerischen Inhalts gegen die DDR und die Sowjetunion“ verfasst hatte.

Die menschenunwürdigen Haftbedingungen ruinierten Hermann Meises Gesundheit. Am 8. Oktober 1953 kam er wegen akuter Herzprobleme ins Krankenhaus und verstarb dort wenige Minuten nach der Einlieferung. Seine sterblichen Überreste wurden vier Tage später in das Krematorium Zittau überführt.

Die Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation rehabilitierte Hermann Meise am 26. April 2000.

Weitere Dokumente

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