„Im Namen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken …“

Urteile sowjetischer Militärtribunale (SMT) in Dresden

  • Name
    ID
  • Geburts­datum
    Geburts­ort
  • Verurteilungs­datum
  • Nachname: Heinrich
    Frithjof
  • Vorname: Frithjof
  • Geburtsdatum: 9.8.1927
    Dresden
  • Geburtsort: Dresden
  • Verurteilungsdatum:19.8.1948
  • Mehr:
  • Gericht:SMT Sachsen (SMA/Land)
  • Strafnormen: Art. 58-6/1, StGB RSFSR
  • Strafmaß:25 Jahre
  • Identifikationsnr.:698744
  • Nachname: Heinrich
    Hans
  • Vorname: Hans
  • Geburtsdatum: 17.12.1928
    Schellenberg, Kr. Flöha
  • Geburtsort: Schellenberg, Kr. Flöha
  • Verurteilungsdatum:28.9.1951
  • Mehr:
  • Gericht:SMT Gruppe der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland (48240)
  • Strafnormen: Art. 58-10, StGB RSFSR
    Art. 58-6/1, StGB RSFSR
    Kontrollratsgesetz Nr. 43, Art. I
  • Strafmaß:Todesstrafe
  • Identifikationsnr.:698743
  • Nachname: Heinze
    Horst
  • Vorname: Horst
  • Geburtsdatum: 25.5.1924
    Berlin
  • Geburtsort: Berlin
  • Verurteilungsdatum:22.12.1951
  • Mehr:
  • Gericht:SMT 1. Garde-Panzerarmee/Mechanisierte Armee (08640)
  • Strafnormen: Art. 58-10/2, StGB RSFSR
    Art. 58-11, StGB RSFSR
  • Strafmaß:25 Jahre
  • Identifikationsnr.:3419775
  • Nachname: Helm
    Siegfried
  • Vorname: Siegfried
  • Geburtsdatum: 22.9.1930
    Cannewitz (Grimma)
  • Geburtsort: Cannewitz (Grimma)
  • Verurteilungsdatum:26.5.1949
  • Mehr:
  • Gericht:SMT Sachsen (SMA/Land)
  • Strafnormen: Art. 58-10/2, StGB RSFSR
  • Strafmaß:10 Jahre
  • Identifikationsnr.:698763
  • Nachname: Hempel
    Alfred
  • Vorname: Alfred
  • Geburtsdatum: 11.2.1889
    Dresden
  • Geburtsort: Dresden
  • Verurteilungsdatum:4.3.1948
  • Mehr:
  • Gericht:SMT Dresden
  • Strafnormen: Art. 167, StGB RSFSR
    Erlass vom 4.6.1947, Abs. 2
  • Strafmaß:25 Jahre
  • Identifikationsnr.:698766
  • Nachname: Hempel
    Bodo
  • Vorname: Bodo
  • Geburtsdatum: 12.10.1911
    Blattersleben b/Großenhain
  • Geburtsort: Blattersleben b/Großenhain
  • Verurteilungsdatum:22.6.1951
  • Mehr:
  • Gericht:SMT 1. Garde-Panzerarmee/Mechanisierte Armee (08640)
  • Strafnormen: Kontrollratsgesetz Nr. 10
  • Strafmaß:Lebenslänglich
  • Identifikationsnr.:698767
  • Nachname: Hempel
    Hansjoachim
  • Vorname: Hansjoachim
  • Geburtsdatum: ??.??.1924
    Dresden
  • Geburtsort: Dresden
  • Verurteilungsdatum:10.3.1952
  • Mehr:
  • Gericht:SMT Gruppe der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland (48240)
  • Strafnormen: Art. 58-12, StGB RSFSR
  • Strafmaß:10 Jahre
  • Identifikationsnr.:643077
  • Nachname: Henke
    Max
  • Vorname: Max
  • Geburtsdatum: 12.12.1884
    Neusorge Kr. Niesky
  • Geburtsort: Neusorge Kr. Niesky
  • Verurteilungsdatum:27.6.1950
  • Mehr:
  • Gericht:SMT 1. Garde-Panzerarmee/Mechanisierte Armee (08640)
  • Strafnormen: Art. 58-6, StGB RSFSR
  • Strafmaß:25 Jahre
  • Identifikationsnr.:698772
  • Nachname: Hentschel
    Siegfried
  • Vorname: Siegfried
  • Geburtsdatum: 26.5.1926
    Dresden
  • Geburtsort: Dresden
  • Verurteilungsdatum:19.1.1952
  • Mehr:
  • Gericht:SMT 1. Garde-Panzerarmee/Mechanisierte Armee (08640)
  • Strafnormen: Art. 58-10/1, StGB RSFSR
    Art. 58-54-6/1, StGB USSR
  • Strafmaß:25 Jahre
  • Fotos:
    Hinweis: Für eine weitergehende Nutzung, zum Beispiel für eine Veröffentlichung, bedarf es der Zustimmung der Dokumentationsstelle Dresden. Bitte kontaktieren Sie uns dazu.
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  • Kurzbiografie:Mit Flugblattraketen der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) gegen das SED-Regime

    Der aus einem sozialdemokratischen Elternhaus stammende Siegfried Hentschel erlernte den Beruf eines Elektrikers. Im Oktober 1943 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Er diente als Funker und war unter anderem in Frankreich eingesetzt. Nach Kriegsende und französischer Kriegsgefangenschaft kehrte er in seine Heimatstadt Dresden zurück. Er fand in den Technischen Werkstätten der Stadt Dresden eine Anstellung als Elektromonteur.

    Ende der 1940er-Jahre entschloss er sich, gegen die Durchsetzung der kommunistischen Diktatur in der SBZ/DDR ein Zeichen zu setzen. Zusammen mit Wolfgang Köhler, einem Freund und Kollegen, nahm er Kontakt zur Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) in Westberlin auf. Später malten beide in Dresden vor der Wahl zur DDR-Volkskammer Losungen an Häuserwände, unter anderem „Deutsche, stimmt mit Nein!“. Von weiteren Besuchen bei der KgU brachten sie Flugblätter und eine Druckerwalze zur Flugblattfertigung mit. Die Flugblätter verteilten sie in Straßenbahnen und bei einer Aktion auf dem Postplatz in Dresden als „Raketenpost“ mittels Feuerwerksraketen. Anfang 1951 drängte der KgU-Verbindungsmann mit dem Decknamen „Fred Walter“ Siegfried Hentschel, der inzwischen den Decknamen „Jürgen“ trug, Informationen von militärischer Bedeutung zu sammeln. Dem kam Siegfried Hentschel jedoch nicht nach.

    Am 25. Oktober 1951 wurde er dennoch durch die DDR-Staatssicherheit verhaftet und vernommen. Kurze Zeit später übergab ihn die Stasi an den MGB. In dessen Untersuchungshaftanstalt auf der Bautzner Straße wurde er weitere vier Mal verhört. Die Geheimpolizei war ihm auf die Spur gekommen, nachdem sie „Fred Walter“ verhaftet und dieser die Namen seiner Kontakte in der DDR verraten hatte.

    Das Militärtribunal der 1. Garde-Mechanisierten Armee (Feldpostnummer 08640) verurteilte ihn gemeinsam mit Wolfgang Köhler am 19. Januar 1952 in der MGB-Untersuchungshaftanstalt auf der Bautzner Straße nach Artikel 58-6, Abschnitt 1 und Artikel 58-10 des StGB der RSFSR zu 25 Jahren Freiheitsentzug in einem „Besserungsarbeitslager“.

    Nach der Verurteilung kam Siegfried Hentschel zunächst in die DDR-Strafvollzugsanstalt Bautzen. Von dort wurde er am 10. Juni 1952 über Berlin-Lichtenberg in das sowjetische Strafarbeitslager Workuta deportiert. Während der Zwangsarbeit im 4. Schacht erlitt er am 6. Mai 1954 im Alter von 27 Jahren einen schweren Arbeitsunfall, der ihn zum Invaliden machte. 1955 wurde er nach Inta verlegt und später nach Suchobeswodnoje. Ende 1955 rückte die Entlassung näher. Am 12. Januar 1956 kam Siegfried Hentschel im westdeutschen Heimkehrerlager Friedland an.

    Er zog nach Hamburg, gründete eine Familie und engagierte sich im Schumacher-Kreis der SPD. 20 Jahre lang war er Mitglied des Betriebsrates der Firma Reemtsma, davon zehn Jahre als Vorsitzender. Nach der deutschen Wiedervereinigung zog er in seine Heimatstadt Dresden zurück.

    Dort engagierte er sich im Trägerverein „Erkenntnis durch Erinnerung e. V.“ der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden und führte Hunderte Besuchergruppen durch das ehemalige Untersuchungsgefängnis. Die Vereinsmitglieder wählten ihn 2010 in Würdigung seiner Verdienste zu ihrem Ehrenvorsitzenden. Die Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation hatte ihn am 15. Januar 1997 als Opfer politischer Repressionen rehabilitiert.

    Siegfried Hentschel verstarb am 17. Januar 2012 in Dresden.
  • Identifikationsnr.:698787
  • Nachname: Hermann
    Gerda
  • Vorname: Gerda
  • Geburtsdatum: 25.8.1928
    Zeithain
  • Geburtsort: Zeithain
  • Verurteilungsdatum:3.12.1950
  • Mehr:
  • Gericht:SMT 1. Garde-Panzerarmee/Mechanisierte Armee (08640)
  • Strafnormen: Art. 17-58-1b, StGB RSFSR
  • Strafmaß:25 Jahre
  • Identifikationsnr.:643602
  • Nachname: Herrmann
    Günter, Dr.
  • Vorname: Günter, Dr.
  • Geburtsdatum: 11.1.1931
    Planitz bei Zwickau
  • Geburtsort: Planitz bei Zwickau
  • Verurteilungsdatum:20.1.1950
  • Mehr:
  • Gericht:SMT Gruppe der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland (48240)
  • Strafnormen: Art. 58-10/2, StGB RSFSR
    Erlass über die Abschaffung der Todesstrafe vom 26.5.1947
  • Strafmaß:25 Jahre
  • Identifikationsnr.:698798
  • Nachname: Herrmann
    Herbert
  • Vorname: Herbert
  • Geburtsdatum: 23.7.1900
    Siegmar-Schönau
  • Geburtsort: Siegmar-Schönau
  • Verurteilungsdatum:17.8.1948
  • Mehr:
  • Gericht:SMT Sachsen (SMA/Land)
  • Strafnormen: Kontrollratsgesetz Nr. 10, Art. II, 3c
  • Strafmaß:Lebenslänglich
  • Identifikationsnr.:698799
  • Nachname: Herrmann
    Kurt
  • Vorname: Kurt
  • Geburtsdatum: 13.10.1886
    Niederfrohna Chemnitz
  • Geburtsort: Niederfrohna Chemnitz
  • Verurteilungsdatum:21.8.1948
  • Mehr:
  • Gericht:SMT Dresden
  • Strafnormen: Kontrollratsgesetz Nr. 10, Art. II
  • Strafmaß:25 Jahre
  • Identifikationsnr.:698797
  • Nachname: Heyden
    Charlotte
  • Vorname: Charlotte
  • Geburtsdatum: 2.3.1902
    Görlitz
  • Geburtsort: Görlitz
  • Verurteilungsdatum:13.8.1949
  • Mehr:
  • Gericht:OSO (Sonderberatung NKWD/MWD/MGB)
  • Strafnormen: Art. 58-11, StGB RSFSR
    Art. 58-4, StGB RSFSR
    Art. 58-6, StGB RSFSR
  • Strafmaß:25 Jahre
  • Fotos:
    Hinweis: Für eine weitergehende Nutzung, zum Beispiel für eine Veröffentlichung, bedarf es der Zustimmung der Dokumentationsstelle Dresden. Bitte kontaktieren Sie uns dazu.
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  • Kurzbiografie:Verhaftet als Mitglied einer liberalen Oppositionsgruppe in Görlitz

    Charlotte Heyden, geborene Kasper, wuchs in Görlitz auf. Ihr besonderes Interesse für soziale Fragen mündete in eine Ausbildung im Arbeitsamt Görlitz. Die in Aussicht stehende Stelle bei der Berufsberatung konnte sie jedoch nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ nicht antreten.

    Wenige Monate nach Ende des Zweiten Weltkrieges, Ende Oktober 1945, übertrug man ihr die Abteilung für weibliche Berufsberatung im Görlitzer Arbeitsamt. Sie trat der Liberal-Demokratischen Partei (LDP) bei und wurde nach den Kommunalwahlen im Oktober 1946 in den Rat der Stadt Görlitz gewählt. Dort übernahm sie das Dezernat für Handel und Versorgung.

    Ihre ablehnende Haltung gegenüber der Etablierung der kommunistischen Diktatur durch die SED und die sowjetische Besatzungsmacht führte sie mit Gleichgesinnten zusammen. Sie wurde Mitglied einer Oppositionsgruppe um den Fraktionsvorsitzenden der LDP im Görlitzer Stadtparlament, Dr. Walter Schade. Die Gruppe nahm unter anderem Kontakt zum SPD-Ostbüro in Westberlin auf.

    Die sowjetische Geheimpolizei zerschlug die Gruppe im Herbst 1947. Am 28. Oktober wurde Charlotte Heyden auf einer Dienstfahrt nach Berlin durch sowjetische Sicherheitsorgane verhaftet und anschließend in die Haftanstalt Münchner Platz eingeliefert. Nach fast zweijähriger Untersuchungshaft verurteilte sie die Sonderberatung des Ministeriums der Staatssicherheit der UdSSR (OSO) per Fernurteil am 13. August 1949 nach den Artikeln 58-4 (Begünstigung der internationalen Bourgeoisie), 58-6 (Spionage) und 58-11 (illegale Gruppenbildung) des StGB der RSFSR zu 25 Jahren Haft. Ebenfalls festgenommen und gesondert verurteilt wurden Walter Adam, Ursula Hupka, Willi Leisten, Horst Otte und Dr. Helmut Schaefer. Dr. Walter Schade verstarb noch vor der Verurteilung während der Haft am Münchner Platz.

    Über das sowjetische Speziallager Sachsenhausen wurde Charlotte Heyden im November 1949 in die UdSSR deportiert. Ihre Strafe verbüßte sie im DubrawLag (Eichenhainlager) bei Potma in Mordowien. Am 27. Dezember 1953 entließ man die von den jahrelangen Entbehrungen Gezeichnete und schwer Erkrankte. Bereits im Januar 1954 flüchtete sie von Görlitz nach Westdeutschland. Sie trat der SPD bei und engagierte sich später als Leiterin der Berliner Zweigstelle des Ostbüros der SPD für Flüchtlinge und politisch Verfolgte aus der DDR.

    Am 2. April 1990 wurde Charlotte Heyden auf der Grundlage eines Erlasses des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 16. Januar 1989 „Über zusätzliche Maßnahmen zur Wiederherstellung der Gerechtigkeit in Bezug auf Opfer von Repressionen in den 30er- und 40er- sowie am Beginn der 50er-Jahre“ posthum rehabilitiert. Ihre Leidensgenossin und Mitarbeiterin im SPD-Ostbüro Käthe Fraedrich verarbeitete ihr Schicksal und die gemeinsamen Hafterfahrungen am Münchner Platz und in den sowjetischen Lagern im 2001 erschienenen Roman „Im Gulag der Frauen“.
  • Identifikationsnr.:700808
  • Nachname: Heydrich
    Gertrud
  • Vorname: Gertrud
  • Geburtsdatum: 2.7.1909
    Kairo
  • Geburtsort: Kairo
  • Verurteilungsdatum:4.9.1948
  • Mehr:
  • Gericht:SMT Sachsen (SMA/Land)
  • Strafnormen: Art. 16-17-107, StGB RSFSR
  • Strafmaß:6 Jahre
  • Identifikationsnr.:698813
  • Nachname: Heynitz
    Benno von
  • Vorname: Benno von
  • Geburtsdatum: 22.12.1924
    Dresden
  • Geburtsort: Dresden
  • Verurteilungsdatum:20.11.1947
  • Mehr:
  • Gericht:SMT Sachsen (SMA/Land)
  • Strafnormen: Art. 58-10/2, StGB RSFSR
  • Strafmaß:25 Jahre
  • Identifikationsnr.:698819
  • Nachname: Hilbig
    Horst
  • Vorname: Horst
  • Geburtsdatum: 29.5.1928
    Liegnitz / Schlesien
  • Geburtsort: Liegnitz / Schlesien
  • Verurteilungsdatum:16.7.1948
  • Mehr:
  • Gericht:SMT Sachsen (SMA/Land)
  • Strafnormen: Art. 58-6/1, StGB RSFSR
  • Strafmaß:25 Jahre
  • Fotos:
    Hinweis: Für eine weitergehende Nutzung, zum Beispiel für eine Veröffentlichung, bedarf es der Zustimmung der Dokumentationsstelle Dresden. Bitte kontaktieren Sie uns dazu.
  • Weitere Dokumente:Hinweis: Für eine weitergehende Nutzung, zum Beispiel für eine Veröffentlichung, bedarf es der Zustimmung der Dokumentationsstelle Dresden. Bitte kontaktieren Sie uns dazu.
  • Kurzbiografie:Fünfeinhalb Jahre als „Spion“ in Bautzen, weil er sich einer Dienstverpflichtung zur Wismut durch Flucht in den Westen entzogen hatte

    Horst Hilbig wuchs im niederschlesischen Liegnitz (heute Legnica, PL) und in Brandenburg an der Havel auf. Dort absolvierte er nach Schulabschluss 1942 im Arado-Flugzeugwerk eine Lehre zum Elektriker. Das Kriegsende erlebte er als Soldat der Panzer-Division „Hermann Göring“ in Aussig (heute Ústí nad Labem, CZ). Von dort schlug er sich zu Fuß nach Hause in Brandenburg durch.

    Später begann er bei der Brandenburgischen Städtebahn im Telegrafendienst zu arbeiten. Nach der Entlassung mangels Aufträgen erhielt er vom Arbeitsamt eine Dienstverpflichtung zur Wismut nach Aue. Da er jedoch vor dem Uranbergbau Angst um seine Gesundheit hatte, verließ Horst Hilbig am 23. Februar 1948 Brandenburg, um im Westen Arbeit zu suchen. Er fand Anstellung auf einem britischen Militärflugplatz.

    Dort erfuhr er kurze Zeit später, dass sein Vater aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Hause zurückgekehrt war und wollte ihn in Brandenburg besuchen. Beim Versuch der Einreise in die SBZ wurde er am 29. Mai 1948 an der Grenze in Marienborn von deutschen Polizisten verhaftet. Er war im Fahndungsbuch erfasst, da er sich der Dienstverpflichtung zur Wismut entzogen hatte.

    Die Polizisten brachten ihn nach Aue und übergaben ihn dort der sowjetischen Besatzungsmacht. Von Aue gelangte er über Johanngeorgenstadt nach Dresden in das Untersuchungsgefängnis des Operativsektors der Sowjetischen Militäradministration für das Land Sachsen am Münchner Platz. Hier warf man ihm vor, er habe sich in der britischen Zone vom englischen Geheimdienst anwerben lassen und verpflichtet, sowjetische Truppenteile auszukundschaften, Informationen über demontierte Betriebe zu sammeln und die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber der Besatzungsmacht zu ermitteln. Ausweislich eines vorliegenden Vernehmungsprotokolls vom 2. Juli 1948 erklärte Horst Hilbig, er habe sich nur zum Schein zur Zusammenarbeit verpflichtet, um zu seiner Familie ausreisen zu können. Die Spionageaufträge habe er nicht ausgeführt. In einem Interview 2021 versicherte Horst Hilbig, er habe niemals Kontakte zum englischen Geheimdienst gehabt. Während der Vernehmungen in Dresden sei er mehrfach geschlagen worden bis er alles gestanden habe, was die Vernehmer von ihm hören wollten.

    Am 16. Juli 1948 verurteilte das Militärtribunal der Sowjetischen Militäradministration Sachsen Horst Hilbig am Münchner Platz auf der Grundlage von Art. 58-6 StGB der RSFSR wegen Spionage zu 25 Jahren „Besserungsarbeitslager“. Die Strafe verbüßte er zunächst im Speziallager Bautzen und nach dessen Auflösung in der DDR-Strafanstalt Bautzen, aus der er am 17. Januar 1954 entlassen wurde.

    Die Wiedereinstellung bei der Bahn scheiterte, da Horst Hilbig wegen seiner Haft als „politisch unzuverlässig“ galt. Deshalb flüchtete er aus Brandenburg nach Westberlin und von dort später nach Westdeutschland.

    In einer Flüchtlingsunterkunft lernte er seine spätere Frau Käthe kennen, mit der er zwei Töchter bekam. Zunächst war er als Fahrzeugelektriker tätig, später arbeitete er als Versicherungskaufmann.

    Die Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation rehabilitierte Horst Hilbig am 6. August 2001. In dem für die Entscheidung erstellten Gutachten heißt es, die Ermittlungsakte enthalte weder Zeugenaussagen noch Dokumente, die Spionage belegen würden.

    Horst Hilbig lebt in Ulm.
  • Identifikationsnr.:698823
  • Nachname: Hilbrich
    Willi
  • Vorname: Willi
  • Geburtsdatum: 19.3.1903
    Ebersbach (Sachsen)
  • Geburtsort: Ebersbach (Sachsen)
  • Verurteilungsdatum:15.11.1950
  • Mehr:
  • Gericht:SMT 1. Garde-Panzerarmee/Mechanisierte Armee (08640)
  • Strafnormen: Kontrollratsgesetz Nr. 10
  • Strafmaß:25 Jahre
  • Identifikationsnr.:698825
  • Nachname: Hirschnitz
    Karl
  • Vorname: Karl
  • Geburtsdatum: 10.3.1904
    Gröditz Kr. Riesa
  • Geburtsort: Gröditz Kr. Riesa
  • Verurteilungsdatum:22.4.1948
  • Mehr:
  • Gericht:SMT Sachsen (SMA/Land)
  • Strafnormen: Kontrollratsgesetz Nr. 10
  • Strafmaß:25 Jahre
  • Identifikationsnr.:698844

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